Was ist Factoring? – Definition, Arten und Vor- und Nachteile

Als Unternehmer hast du womöglich davon gehört, dass Factoring die Lösung all deiner finanziellen Probleme sein könnte. Doch Factoring ist nicht gleich Factoring. Ob Kleinunternehmer, Mittelständler oder Selbstständiger, damit du weißt, welche Art von Factoring die richtige für dein Unternehmen ist, erklären wir dir in 5 Minuten alles, was du als Freelancer und Kleinunternehmer über Factoring und dessen verschiedenen Arten wissen musst.

 

Auf die Schnelle – Inhaltsverzeichnis:

  1.  Definition – Was ist dieses Factoring überhaupt?
  2.  Arten – Factoring ist nicht gleich Factoring
  3.  Vor- und Nachteile – Was gibt es beim Factoring zu beachten?
  4.  Welches Factoring ist das richtige für mein Unternehmen?
  5.  Ablauf – Das erwartet dich beim Factoring-Verfahren
  6.  Beispiele – So hilft Factoring verschiedenen Unternehmen

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Was ist dieses “Factoring” überhaupt?

Für dich als Unternehmer bedeutet Factoring, ganz simpel erklärt, den Austausch einer unbezahlten Rechnung gegen Geld. Hast du deinem Kunden eine Rechnung ausgestellt, hat er diese binnen einer gewissen Frist zu bezahlen. Gesetzlich festgelegt sind 30 Tage, dieser Zeitraum kann jedoch variieren. Egal welches Zahlungsziel du mit deinem Kunden vereinbarst, du wirst in jedem Fall Tage, wenn nicht sogar Wochen auf dein Geld warten müssen. Hier kommen Factoringunternehmen, oder sogenannte Factoren ins Spiel. Bei ihnen kannst du deine unbezahlte Rechnung einreichen und bekommst innerhalb weniger Stunden dein Geld ausbezahlt. Je nachdem, welche Art von Factoring du wählst, ist deine Arbeit damit erledigt und du kannst völlig sorgenfrei weiterarbeiten.

Die Basics – Factoring einfach erklärt

  • Factoring ist der Austausch deiner unbezahlten Rechnung gegen Geld
  • Factoring nennt sich auch “Rechnungsvorfinanzierung”

Arten von Factoring – Echtes und unechtes Factoring

Nun stellt sich die Frage, wenn du dein Geld bereits vom Factor erhalten hast, wohin geht dann das Geld deines Kunden, wenn er die Rechnung bezahlt?

Hier spaltet sich Factoring in seine zwei Hauptarten auf. Echtes und unechtes Factoring.

Echtes Factoring bezeichnet den “Forderungsverkauf” an das Factoringunternehmen. Das bedeutet, dass du als Unternehmer deine Forderung komplett abtrittst. Sollte dein Kunde die Rechnung nicht zahlen, muss sich der Faktor mit Mahnungen und Inkassoverfahren herumschlagen. Du hast dein Geld bereits erhalten und kannst ruhig schlafen. Deutsche Unternehmen nutzen meist echtes Factoring.

Unechtes Factoring besteht immer dann, wenn du das vom Factor erhaltene Geld wieder an ihn zurückzahlen musst. Der Factor nimmt zu keiner Zeit Kontakt mit deinen Kunden auf. Du trägst weiterhin das Risiko eines Zahlungsausfalls durch den Kunden. Diese Variante scheint auf den ersten Blick riskant, doch unechtes Factoring hat durchaus seine Vorteile gegenüber echtem Factoring.

Arten von Factoring – Offenes und Stilles Factoring

Eine weitere grundlegende Unterscheidung von Arten des Factoring ist der Unterschied zwischen offenem und stillen Factoring.

Beim offenen Factoring wird der Kunde, dessen Rechnung du an einen offenen Factoring Anbieter abtrittst, durch einen sogenannten Abtretungsvermerk auf der Rechnung darüber informiert. Dein Kunde muss den offenen Betrag nun nicht mehr an dich, sondern direkt an das Factoringunternehmen überweisen.

Beim stillen Factoring hingegen, erfährt dein Kunde nicht, dass du die Forderung abgetreten hast. Bei dieser Variante kannst du entweder deine eigene Kontoverbindung auf der Rechnung angeben und den vorfinanzierten Betrag selbst an das Factoringunternehmen zurückzahlen, oder du vermerkst gleich ein Zahlungskonto des Factors, nicht aber die Abtretung der Forderung an ihn auf der Rechnung. Dies ist eine gute Möglichkeit um ein vertraglich festgelegtes Abretungsverbot zu umgehen.

Vorteile von Factoring

Der wichtigste Vorteil von Factoring ist die Verbesserung der Liquidität deines Unternehmens. Gute Liquidität bedeutet größere finanzielle Flexibilität. Du verfügst sofort über dein Geld und bist unabhängig von Zahlungszeiträumen. Hierdurch kannst du deinen Kunden längere Zahlungsziele geben und dich so von der Konkurrenz abheben.

Wenn du dich für echtes Factoring entscheidest, kannst du dich auf eine erhebliche Arbeitsentlastung einstellen, sollte dein Kunde die Rechnung nicht rechtzeitig bezahlen. Durch die Forderungsabtretung an ein externes Unternehmen hast du mit eventuellen Inkassoverfahren nichts mehr zu tun. Das hat allerdings auch seine Nachteile.


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Nachteile von Factoring

Ein großer Nachteil des echten Factorings, also einer kompletten Forderungsabtretung, ist, dass sie dem Ruf deiner Firma schaden kann. Eine externe Geldquelle bedeutet, dass dein Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten steckt? Nicht unbedingt, aber das könnten deine Kunden denken. Mit einer solchen Vermutung im Hinterkopf wird dein Unternehmen beim nächsten großen Auftrag eher leer ausgehen.

Hinzu kommt, dass du beim echten Factoring deine Forderung an das Unternehmen verkaufst. Was das Unternehmen damit macht, liegt nicht mehr in deinen Händen, es kann also sein, dass dein Kunde mit häufigen Zahlungsaufforderungen belästigt wird und bei verspäteter Zahlung horrende Mahngebühren zahlen muss. Eine einzige schlechte Erfahrung reicht, um einen Kunden für immer zu verschrecken und den Ruf deines Unternehmens durch Mundpropaganda oder schlechte Online-Bewertungen zu schädigen.

Diese Nachteile kannst du umgehen, indem du dich für unechtes Factoring entscheidest. Dann liegt das Risiko eines eventuellen Zahlungsausfalls jedoch weiterhin bei dir. Unechtes Factoring lohnt sich daher besonders bei vertrauenswürdigen Kunden, mit denen du bereits gute Erfahrungen gemacht hast

Vor- und Nachteile von Factoring auf einen Blick

Vorteile:

  • Verbesserung der Liquidität deines Unternehmens
  • Größere finanzielle Flexibilität
  • Unabhängigkeit von Zahlungszeiträumen
  • Konkurrenzfähigkeit durch längere Zahlungsziele
  • Weniger Arbeitsaufwand in der Verwaltung

Nachteile:

  • Gefahr der Rufschädigung deiner Firma (im Falle von offenem Factoring)
  • Das Risiko des Zahlungsausfalls eines Kunden bliebt bei dir (im Falle von unechtem Factoring)

Welche Factoring Art ist die beste für mein Unternehmen? 

Bei den vielen verschiedenen Arten von Factoring kann man sich schon ganz schön überfordert fühlen. Damit die Rechnungsvorfinanzierung genau deinen Bedürfnissen entspricht, muss die Entscheidung gut durchdacht sein. Wir möchten dir die Entscheidung etwas vereinfachen und haben eine Grafik gebaut, mit der du in weniger als 20 Sekunden weißt, welche Art von Factoring die richtige für dich und dein Unternehmen ist:

flowchart factoring freelancer kleinunternehmen rechnungsvorfinanzierung

Hast du dich entschieden? Dann erfahre nun, auf was du dich in den nächsten Tagen gefasst machen musst.

Beispiele für Factoring – Ablauf eines Factoringverfahrens

Je nach Art von Factoring gibt es verschiedene Abläufe eines Verfahrens. Letztendlich kann das Verfahren aber auf mehrere wesentliche Schritte heruntergebrochen werden:

  1. Der Antrag – Du hast eine offene Rechnung und möchtest nicht darauf warten, bis diese von deinem Kunden bezahlt wird. Du meldest dich bei dem Factoringunternehmen, gibst Daten zu dir und deiner Firma an und schickst die Rechnung, die du finanzieren möchtest, an das Unternehmen.
  2. Das Angebot – Nach erfolgreicher Prüfung deines Antrages erhältst du ein Angebot. Du erfährst, ob du die Rechnung komplett finanzieren kannst oder nur teilweise sowie, wie viel dich die Finanzierung kosten wird.
  3. Die Finanzierung – Nimmst du das Angebot an, erhältst du den vereinbarten Betrag auf dein Konto überwiesen. Je nach Factoringunternehmen und je nachdem, ob das deine erste Finanzierung ist, oder du Stammkunde bist, kann das ab Antragsstellung von einigen Stunden bis wenigen Tagen dauern.
  4. Die Rückzahlung – Nun bezahlt der Kunde die Rechnung. Im Falle von unechten Factoring bezahlst du nun den vorfinanzierten Betrag an das Factoringunternehmen zurück. Beim echten Factoring bekommst du die Rückzahlung nicht mehr mit, das Factoringunternehmen kümmert sich ab dem Moment der Finanzierung um alles Weitere.

Beispiele für Factoring – Wie kann Factoring meiner Firma helfen?

Factoring kann Firmen in ganz verschiedenen Situationen helfen. So kann eine Rechnungsvorfinanzierung eine Brücke in harten Zeiten schlagen, oder aber ganz bewusst als Werkzeug für das Wachstum des eigenen Kleinunternehmens genutzt werden. Im Folgenden seht ihr zwei Beispiele, von Karl, dem nach einem LKW-Unfall der Verlust mehrerer Kunden droht, und Marie, die all ihr verdientes Geld in weitere Aufträge investieren muss. Zwei völlig verschiedene Situationen, für beide die gleiche Lösung: Factoring.

Karl und der Kaputte LKW – Factoring als Brücke für Mikro- und Kleinunternehmer

Karl hat ein kleines Transportunternehmen mit 2 Fahrzeugen und 5 Mitarbeitern. Sein Fahrer hat gerade eine große Tour gefahren und Karl schickt nun die Rechnung für diese Tour an den Kunden. 2.500€ soll er bezahlen und hat dafür 30 Tage Zeit. Doch plötzlich bekommt Karl einen Anruf, dass sein zweiter Fahrer in einen Unfall verwickelt war. Ihm ist glücklicherweise nichts passiert, doch das Fahrzeug ist im Straßengraben gelandet. Es muss aufwendig repariert werden, bevor es wieder eingesetzt werden kann. Karl macht sich nun Geldsorgen, er kann die Reparaturen nicht sofort bezahlen. Er ist darauf angewiesen zu warten, bis sein großer Kunde die Rechnung von 2.500€ beglichen hat. Bis dahin kann er nur einen LKW nutzen und verliert dadurch Kunden und Geld.

Karl wendet sich daher an ein Factoringunternehmen und bekommt die 2.500€ vorfinanziert. Mit dem Geld kann Karl seinen LKW innerhalb von 2 Tagen reparieren und ihn wieder in Betrieb nehmen. Er verliert keinen Kunden und macht trotz Unfalls keinen Verlust. Sein Kunde bezahlt die Rechnung nach 24 Tagen, doch das hat Karl bereits vergessen. Er war in arbeit vertieft und hatte keine Gründe mehr, um sich Geldsorgen zu machen.

Marie und der fehlende Stoff – Factoring als Sprungbrett für junge Unternehmen

Marie näht für ihr Leben gern. Nach der Geburt ihrer Tochter näht sie einige Stofftiere für sie. Ihre Freunde sind begeistert von der Qualität und meinen, dass Marie damit auch Geld verdienen könnte. Sie eröffnet einen Online-Shop und nimmt Bestellungen für maßgeschneiderte Stofftiere auf. Schnell merkt sie allerdings, dass sie mit den Bestellungen nicht hinterherkommt. Nicht etwa deshalb, weil sie zu viele hat und zu langsam näht, sondern weil sie darauf warten muss, dass ihre Kunden für die erhaltenen Stofftiere bezahlen, ehe sie neue Materialien für neue Aufträge einkaufen kann. In Vorkasse gehen die wenigsten Kunden, die meisten wollen sich erst vergewissern, dass das bestellte Stofftier ihren Vorstellungen entspricht. Marie könnte viel mehr Aufträge sofort bearbeiten, wäre sie nicht so stark vom Geldfluss von ihren Kunden abhängig.

Sie wendet sich also an ein Factoringunternehmen und reicht einige ihrer Rechnungen ein. Schon bald hat sie den Betrag, den sie von den Kunden erst in 1-2 Wochen erhalten hätte auf dem Konto und kann für 4 weitere Aufträge Stoffe einkaufen. Dank der verbesserten Liquidität ihres Unternehmens kann Marie nun doppelt so viele Aufträge bearbeiten und kann sich Geld zur Seite legen, um dieses in besseres Equipment zu investieren. Bald darauf kann sie sich sogar ihre erste Angestellte leisten und noch mehr Aufträge annehmen. Geldsorgen gehören für sie nun der Vergangenheit an.


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