Echtes und unechtes, offenes und stilles Factoring: Was ist was?

Factoring ist der schnelle Weg zu mehr Liquidität. Doch welche Factoring-Spielart eignet sich für Ihre Business-Anforderungen am besten? Wir klären auf! Lernen Sie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von echtem und unechtem sowie offenem und stillem Factoring kennen.

Stopp! Bevor Sie weiterlesen: Sind Sie bereits mit den Factoring-Basics vertraut? In unserem Grundlagen-Beitrag Was ist Factoring? geben wir Ihnen eine kompakte Einführung in die Welt des Factoring. Das will ich lesen!

Auf einen Blick:

Unterschiede von echtem und unechtem Factoring

Was ist echtes Factoring?

Beim echten Factoring über­nimmt ein Factoring-Anbieter, im Folgenden auch Factor genannt, das Ausfallrisiko (Delkredere). Sie „verkaufen“ Ihre Forderung und treten diese komplett an das Factoring-Unternehmen ab. Begleicht ein Kunde eine offenen Forderung zu spät oder garnicht, kümmert sich der Factor um das Mahnwesen und Inkasso-Verfahren. Sie selbst sind vor unangenehmen Überraschungen geschützt und haben Ihre Schäfchen im Trockenen.

Welche Vor- und Nachteile hat echtes Factoring?

Echtes Factoring schützt Ihr Business zwar vor Forderungsausfällen. Nach dem Risikotransfer brauchen Sie sich keine Gedanken um offene Forderungen machen. Andererseits setzt echtes Factoring in der Regel offenes Factoring voraus. Der Factoring-Anbieter übernimmt mit dem Risiko auch die Kommunikation mit Ihrem Kunden inklusive des Mahnwesens. Damit verlieren Sie die Hoheit über eine wichtige Kommunikationsschnittstelle und so mancher Kunde dürfte davon wenig begeistert sein. Auf die Vor- und Nachteile des offenen Factoring kommen wir noch zu sprechen!

Für wen eignet sich echtes Factoring?

Echtes Factoring schützt Ihr Unternehmen vor Forderungsausfällen. Deshalb eignet sich diese Factoring-Art besonders für Branchen mit hohen Ausfallquoten. Haben Sie eine Forderung an den Factor abgetreten, verkürzt sich Ihre Bilanzsumme, wodurch sich wiederum Ihre Bonität verbessert. Spielt in Ihrem Business eine solide Bonität eine wichtige Rolle, ist echtes Factoring eine gute Wahl. Für Kleinunternehmer und Freiberufler dürfte echtes Factoring allerdings nicht die erste Wahl sein. Viele Anbieter setzen relativ hohe Mindestumsätze voraus, die Selbstständige selten erreichen.


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Was ist unechtes Factoring?

Im Gegensatz zum echten Factoring steigt ein Factor beim unechten Factoring nicht ins Risiko ein. Beim unechten Factoring geht es weniger um die Minimierung des Ausfallrisikos, sondern um die kurzfristige Optimierung Ihrer Liquidität. Durch die eher unkomplizierte Vorfinanzierung offener Forderungen durch den Factoring-Anbieter verbessert sich ihr Cashflow. Sie vergrößern Ihren finanziellen Spielraum.

Welche Vor- und Nachteile hat unechtes Factoring?

Schnelle Liquidität steht beim unechten Factoring im Vordergrund. Vergleichbar mit einem kurzfristigen Kredit profitiert Ihr Cashflow von der Vorfinanzierung offener Forderungen durch den Factoring-Anbieter. Der Nachteil: Wenn Ihr Kunde nicht zahlt, liegt das Risiko weiterhin bei Ihnen. Dafür gewinnen Sie ohne großen bürokratischen Aufwand neue finanzielle Spielräume. Viele Anbieter haben sich auf die Vorfinanzierung selbst kleinerer Summen spezialisiert und Sie können flexibel agieren.

Für wen eignet sich unechtes Factoring?

Unechtes Factoring ist ein interessantes Modell für Freiberufler und Kleinunternehmer, denen der Zugang zu kurzfristiger Liquidität häufig verwehrt bleibt. Grundsätzlich interessant ist unechtes Factoring für Unternehmen mit einer zuverlässigen Kundenbasis, kombiniert mit langfristigen Zahlungszielen.

Unterschiede zwischen offenem und stillen Factoring

Was ist offenes Factoring?

Beim offenen Factoring informieren Sie Ihren Kunden darüber, dass Sie Ihre Forderung an einen Factoring-Anbieter zur weiteren Bearbeitung übertragen. Offenes Factoring und echtes Factoring, bei dem der Factor das Geschäftsrisiko übernimmt, gehen daher eigentlich immer Hand in Hand. Auf Ihrer Rechnung befindet sich ein Abtretungsvermerk, auch Zessionstext genannt, der Ihren Kunden auf den Factor und dessen Bankverbindung hinweist. Damit weiß Ihr Kunde, dass der offene Betrag direkt gegenüber dem Factoring-Unternehmen zu begleichen ist.

Welche Vor- und Nachteile hat offenes Factoring?

Offenes Factoring bedeutet nichts anderes als das Outsourcing des Mahnwesens. Sobald Sie eine Rechnung geschrieben und Ihrem Kunden zugestellt haben, gehen Sie zur Tagesordnung über. Um das Eintreiben der offenen Forderung kümmert sich von nun an Ihr Factoring-Anbieter. Der Nachteil: Nicht jeder Kunde dürfte diese Form der Zusammenarbeit schätzen. Besonders bei langfristigen und wichtigen Kundenbeziehungen sollten Sie sich gut überlegen, ob offenes Factoring Ihrem Vertrauensverhältnis gut tut.

Für wen eignet sich offenes Factoring?

Offenes Factoring eignet sich immer dann, wenn Sie eine Kundenbeziehung ohnehin so gut wie abgeschrieben haben. Anbieter von offenem Factoring werben zwar gerne mit der Professionalisierung des Mahnwesens. Doch Sie können sich selbst am besten ausmalen, wie sich das Eintreiben einer Forderung durch einen Drittanbieter auf Ihre Kundenbeziehung auswirkt.

Was ist stilles Factoring?

Das stille Factoring ist die im Vergleich zum offenen Factoring elegantere Variante. Ihr Kunde erfährt dabei nicht, dass Sie eine Forderung abtreten oder durch einen Factoring-Anbieter vorfinanzieren lassen. Auf Ihrer Rechnung verzichten Sie auf einen Abtretungsvermerk und weisen wie gewohnt Ihre eigene Bankverbindung aus. Beim echten Factoring hat der Factor in der Regel Zugriff auf das Konto. Beim unechten Factoring mit Rechnungsvorfinanzierung zahlen Sie den vorfinanzierten Betrag an Ihren Anbieter zurück, sobald Ihr Kunden gezahlt hat.

Welche Vor- und Nachteile hat stilles Factoring?

Diskretion ist der große Vorteil des stillen Verfahrens. Während Ihr Kunde die Übertragung einer Forderung eventuell als Misstrauensvotum wertet, läuft beim stillen Factoring alles wie gewohnt. Sie stellen die Rechnung an Ihren Kunden und der begleicht Sie direkt an Sie. Ihr Business profitiert dennoch von einem besseren Cashflow, ohne die Kundenbeziehung zu belasten.

Für wen eignet sich stilles Factoring?

Stilles Factoring eignet sich zum einem für Branchen, in denen ein grundsätzliches Abtretungsverbot üblich oder Bestandteil der Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist. Zum anderen ist stilles Factoring in der Variante des unechten Factoring eine Finanzierungsform, die sich für Freiberufler und Kleinunternehmer eignet.

Egal, für welche Factoring-Spielart Sie sich am Ende entscheiden: Factoring ist der schnelle Weg zu mehr Liquidität. Für die nachhaltige Cashflow-Optimierung haben wir noch mehr Tipps und Trick auf Lager. In unserem kostenlosen E-Book Cashflow ist King erfahren Sie auf 30 Seiten, wie Sie Ihr Business vor Liquiditäsenpässen schützen. E-Book jetzt anfordern!


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